Zigarettenstummel verschmutzen die Umwelt

Achtlos in die Umwelt geschnippte Zigarettenstummel stellen eine große Umweltverschmutzung dar. Das liegt an der schieren Masse. Aber was macht sie so Umweltschädlich?

Was sind Zigaretten?

Eine Zigarette ist ein rauchbares Tabakerzeugnis, das aus den fermentierten, getrockneten und feingeschnittenen Blättern der Tabakpflanze hergestellt wird, die in Papier gestopft, gedreht, gefaltet oder gerollt werden. Tabakrauch wird als Rauschmittel verwendet und fand vor allem im 20. Jahrhundert starke Verbreitung. Inzwischen ist der Zigarettenkonsum in westlichen Ländern aufgrund verschiedener Maßnahmen zur Eindämmung des Rauchens stark rückläufig. Der Grund für diese Maßnahmen ist vor allem die krebserregende Wirkung des Tabakrauchs. (Quelle: Wikipedia)

Was steckt drin?

Tabakrauch

  • Nikotin
  • Feinstaub
  • Teer
  • Blausäure
  • Cadmium
  • Blei
  • Acrylamid
  • Formaldehyd
  • Benzol
  • Arsen
  • Aceton
  • und weitere

Zusatzstoffe

  • Gelatine
  • Titandioxid
  • Weichmacher
  • und weitere

(Quelle: pro-rauchfrei)

Die meisten Inhaltsstoffe sind nachgewiesen kanzerogen (krebserregend), kanzerogen-verdächtig, giftig oder reizend. (Quelle: Rauchstoppzentrum)

Wie viele Zigaretten landen in der Umwelt?

Jedes Jahr werden 5,6 Billionen Zigaretten geraucht. Davon werden 4,5 Billionen achtlos weggeworfen. Dies entspricht etwa einem Gewicht von 750 000 Tonnen.
In Deutschland besagt eine Schätzung, dass 71 Milliarden Stummel in der Umwelt landen.

Alleine auf dem Weg von unserem Haus bis zum nächstgelegenen Spielplatz (200 m) und zurück habe ich neulich etwa 50 Kippen aufgesammelt.

Zigaretten und Müll
Die aufgesammelten Zigarettenreste
und weiterer Müll

Ich war früher selbst Raucherin und habe oft genug meine Stummel in die Natur geworfen. Das lag an meiner Unbekümmertheit und Unwissenheit. Mir war nicht bewusst, welche Auswirkungen es auf Organismen haben kann. Es fehlt meiner Meinung nach stark an Aufklärung darüber. Dem möchte ich mit diesem Eintrag entgegenwirken.

Die Folgen für die Umwelt

Die unterschiedlichen Inhaltsstoffe wirken unterschiedlich auf Organismen und die Natur.

Schwermetalle: Degeneration des Nervensystems, erbgut- und fruchtschädigende Wirkung
Nikotin: Lähmende Wirkung auf die Ganglien des vegetativen Nervensystems
Arsen: Kanzerogen
Blausäure: Blockiert in den Zellen die Zellatmung
Formaldehyd: Kanzerogen

Wirkung auf Wasserorganismen:
Jede weggeworfene Kippe verunreinigt 40 – 60 Liter Wasser.
Ein Zigarettenstummel pro Liter Wasser tötete die Hälfte der darin lebenden Fische innerhalb von vier Tagen. (Quelle: SZ)

Woraus bestehen die Filter?

Zigarettenfilter bestehen aus dem biobasierten Kunststoff Celluloseacetat. Bei der Herstellung der Filter werden verschiedene Chemikalien eingesetzt, die das Abwasser belasten können.

Durch das Rauchen gelangen die Schadstoffe aus dem Tabak in den Filter. Sobald dieser achtlos in die Natur geworfen wird, werden sie spätestens beim nächsten Regen herausgespült. Außerdem dauert es bis zu 15 Jahre bis der Filter verrottet ist. Es ist nicht zu vernachlässigen, dass er in Mikroplastikteilchen zerfällt. (rauchfrei-info)

Nr. 1 Müll an Stränden

Zigarettenstummel sind der am häufigsten gefundene Gegenstand an Stränden. Gefolgt von Plastikmüll wie Flaschen, Verpackungen und Strohhalmen.

Zigaretten
Zigarettenstummel

Was kannst du tun?

  • Entsorge die Stummel nicht auf dem Gehweg. Viele öffentliche Mülleimer haben extra Fächer für Zigaretten
  • Habe einen Taschenaschenbecher dabei. Für den Fall, dass auf deinem Weg kein öffentlicher Mülleimer zu finden ist.
  • Leere zuhause deine Aschenbecher die im Freien stehen regelmäßig aus. So können die Filter nicht vom Wind weggeweht werden, oder die Schadstoffe im nächsten Regen ausgewaschen werden.
  • Mach mit beim Kippenfreitag. Nimm beim nächsten Spaziergang einen kleinen Müllbeutel und eine Müllzange oder einen Handschuh mit und sammel Zigarettenstummel und Müll auf.
  • Die Steigerung davon ist Plogging. Hier wird beim Joggen der Müll aufgesammelt.

Weitere Infos zu mehr Nachhaltigkeit im Alltag findest du hier.

Mikroplastik ist einfach überall

Viele von euch werden zumindest einen vagen Begriff davon haben was Mikroplastik bedeutet. Ich erkläre euch woher es kommt, was es im Körper macht und wie man es vermeiden kann.

Ich gebe keine Garantie auf Vollständigkeit. Wenn du dich mehr mit dem Thema befassen möchtest, kannst du hier den Plastikatlas der Heinrich-Böll-Stiftung kostenlos downloaden.

Wie gelangt das Mikroplastik in die Umwelt

Es gibt viele Wege, wie die winzigen Teilchen in die Natur gelangen können.

  • Reifenabrieb / Jeder Reifen verursacht etwa 120g pro 1000km (Quelle: ADAC)
  • Zerfall von in der Umwelt liegenden Kunststoffen in immer kleinere Teilchen
  • Synthetische Kleidung / beim Waschen, Trocknen im Trockner und Tragen von Kleidung aus z.B. Polyacryl, Polyester oder Polyamid verlieren die Textilien Mikroplastikfasern
  • Kosmetika / In regulären Kosmetikartikeln sind häufig flüssige Polymere enthalten, die nur schwer biologisch abbaubar sind und nicht vollständig von Kläranlagen gefiltert werden können
    (Hier findest Du einen Artikel, der sich ausschließlich mit Kosmetika befasst)
  • Mikrorisse in Kunststoffflaschen und -behältern / Durch Erschütterungen lösen sich winzige Partikel die in der Flüssigkeit bleiben. Besonders anfällig sind Einwegflaschen. Sie sollten daher nicht wiederbefüllt werden
  • Mikrorisse in Milchflaschen für Säuglingsnahrung aus Kunststoff. Durch das sterilisieren können sich winzige Partikel lösen
  • Radiergummi aus PVC / Durch das radieren lösen sich kleine Krümel
  • Schneidbretter aus Kunststoff / Sie sind billig und in fast jedem Haushalt zuhause, aber beim Schneiden lösen sich aus der Oberfläche kleine Partikel, die dann abgewaschen werden oder gleich im Lebensmittel hängen bleiben
  • Handrührgerät in einer Kunststoffschüssel verwenden / Durch die Reibung auf Kunststoff lösen sich kleine Partikel
Plastikmüll
Plastikmüll am Strand

Wie gelangt das Mikroplastik in den Körper

Mikroplastik kann über verschiedene Wege in den Körper gelangen.

  • Fische und andere Meeresfrüchte / in ihnen reichert sich nicht nur im Magen-Darm-Trakt Mikroplastik an, sondern auch im Fleisch, das dann auf den Tellern landet (Quelle: Umweltbundesamt)
  • Meersalz / Meerwasser wird mitsamt allen enhaltenen Mineralien und Plastikteilchen in Salzgärten geleitet. Dort verdunstet das Wasser, Salz bleibt übrig und landet mitsamt den enthaltenen Partikeln ebenfalls in unseren Speisen. (Quelle: Nationalgeographic)
  • Getränke / Die durch Erschütterungen gelösten Partikel aus Kunststoffflaschen werden über die enthaltene Flüssigkeit aufgenommen
  • Kosmetikartikel die auf die Haut aufgetragen werden

Ob der Mensch die kleinsten, kaum mehr messbaren Partikel über die Atemluft aufnehmen kann ist noch nicht geklärt. Das Alfred-Wegener-Institut (das bereits Mikroplastik in Schnee nachgewiesen hat) erforscht dies gerade.

Schadstoffe, die aus der Verpackung in das Lebensmittel übergehen

Sogenannte “Migrierende Inhaltsstoffe” sind Bisphenol-A, Phtalate (Weichmacher) und Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS).

Durch verschiedene Faktoren gehen diese Inhaltsstoffe auf das verpackte Lebensmittel über. z.B.:

  • Lagerdauer
  • Lagertemperatur
  • Fettgehalt des Lebensmittels
  • Säuregehalt des Lebensmittels
  • Sonneneinstrahlung

Am meisten davon betroffen sind Molkereiprodukte (und vegane Ersatzprodukte), da sie Fett und Säure enthalten.
Zudem solltest du keine heißen Getränke aus Kunststoffbechern trinken und beim Erhitzen von Speisen in der Mikrowelle darauf achten, dass das Geschirr Mikrowellengeeignet ist. Hier am besten komplett auf Kunststoff verzichten und lieber in einem Teller oder einer Glasschüssel erwärmen.
Eine weitere Schadstoffquelle bilden Pfannen mit Antihaftbeschtung und Ourdoorbekleidung mit Abperleffekt. Diese enthalten häufig PFAS (PFC).
Einen sehr detaillierten Artikel zu diesem Thema findest du auf der Seite der Verbraucherzentrale.

Des Weiteren stecken in vielen anderen Gegenständen Weichmacher, die nicht mit Lebensmitteln in Berührung kommen. (Quelle: Utopia)

Welche Auswirkungen hat das auf den Menschen?

Die schädlichen Inhaltsstoffe der Kunststoffe werden nun über belastete Lebensmittel oder Kosmetika aufgenommen. Sie können langfristig gesehen erhebliche Schäden im menschlichen Körper anrichten.
Sie bewirken z.B.

  • Schädigung des Nervensystems
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Diabetes
  • Fettleibigkeit
  • Herzerkrankungen
  • Allergien
  • Immunschwäche

Bei Frauen:

  • Brustkrebs
  • Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit
  • Entwicklungsstörungen beim Embryo

Bei Männern:

  • Prostatakrebs
  • niedrige Spermienzahl

Bei Kindern:

  • Hyperaktivität
  • Lern- und Verhaltensstörungen
  • niedriger IQ
  • Asthma
  • niedriges Geburtsgewicht
  • frühe Pubertät
  • sogenannte Kreidezähne

(Quelle: Helion-Gesundheit)

Wie kannst du Mikroplastik vermeiden?

Zum Thema Kosmetik habe ich bereits einen Artikel verfasst. (Klickt hier)
Darin geht es z.B. um Zahnpflege mit DentalDelight*, selbstgemachte Haarpflege aus Avocadokernen, Peeling aus drei Zutaten und weiteren Herstellern nachhaltiger Kosmetik.

Wähle beim Kauf von neuen Kleidungsstücken nachhaltige Marken die ausschließlich Naturfasern verwenden. Es muss auch nicht immer Baumwolle sein. Bei dem Versandhändler Biotextilien-Allgäu gibt es schöne Artikel für Damen und Herren aus Hanf. Einen ausführlichen Artikel zum Thema Kleidung und Mikroplastik findest du hier.

Für Sporttreibende gibt es kaum Alternativen zu Funktionskleidung aus synthetischen Fasern. Oder man hat bereits einige Kleidungsstücke die man nicht einfach wegwerfen möchte. All diese Kleidung muss regelmäßig gewaschen werden. Es gibt eine einfache Lösung um Synthetikkleidung nachhaltig zu waschen: Die heißt Guppyfriend*. Die Gründer der Langbrett GmbH haben es sich zum Ziel gemacht die Umweltverschmutzung durch Faserteilchen zu minimieren. Die entsprechenden Kleidungsstücke werden in den Beutel gepackt, nach dem waschen wieder entnommen und die aufgefangenen Teilchen entfernt (nicht mit Wasser auswaschen).

Getränke nicht in Kunststoffflaschen sondern in Glasflaschen kaufen. In Deutschland gibt es ein relativ engmaschiges Netz aus Brauereien und Abfüllern, sodass du Limonaden und Säfte aus der Region in Mehrwegflaschen erwerben kannst. Alternativ dazu kannst du hierzulande sehr gut Leitungswasser trinken. (Quelle: Umweltbundesamt)

Babyfläschchen müssen nicht notwendigerweise aus Kunststoff sein. Es gibt von allen großen Herstellern Nuk*, Mam*, Lansinoh* und Avent * Fläschchen aus Glas, sodass du dich für die Sorte entscheiden kannst, die das Kind am besten akzeptiert.

So wenig wie möglich Lebensmittel in Plastikverpackungen kaufen und wenn doch, dann den Kunststoff richtig dem Recycling zuführen.

Beim Neukauf von Schneidbrettern auf das Material achten. Die Kunststoffbrettchen sind oftmals sehr günstig, haben aber nur eine geringe Lebensdauer. Lieber ein paar Euro mehr in die Hand nehmen und Bretter aus Holz kaufen. (Mehr zu Schneidbrettern findet ihr bei Messer-Mojo) Wer auf den Komfort der Plastikvariante nicht verzichten möchte kann Schneidbretter aus Reishülsen verwenden. z.B. von Green-World-Production*

Diese Liste ist noch lange nicht vollständig und ich werde sie regelmäßig updaten. Über eure Tipps und Erfahrungen würde ich mich sehr freuen. Hinterlasst dazu gerne einen Kommentar.

Weitere Tipps und Tricks zum Thema Nachhaltigkeit in der Küche findest du hier.
Zum Thema Badezimmer geht es hier entlang.

(Enthält Affiliat-Links / mit * gekennzeichnet)